Was der Sommer bedeutet

Shownotes

Was bedeutet Dir der Sommer? Gutes Wetter, gute Urlaube, gute Abende draußen - einen Ausflug an den See oder das Meer?

Was hat denn der Sommer 1900 bedeutet - war das ähnlich? Fuhr man auch damals schon an die See für einen entspannten Tag auf dem Badetuch?

Hört mal rein - ich erzähle Euch davon!

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00:00:00: Du interessierst dich für das Leben 1900 von der Ständegesellschaft bis hin zur Körperikine?

00:00:07: Lehn dich zurück, ich erzähle davon.

00:00:09: Hallo und herzlich Willkommen zu einer neuen Folge "Lieben 1900".

00:00:19: Heute geht es darum, was der Sommer bedeutet, was bedeutet euch denn der Sommer und was

00:00:24: bedeutet der Sommer 1900?

00:00:26: Bleib dran, ich erzähle euch davon.

00:00:28: Ja, für mich ist das dieses Jahr ein sehr bescheidener Sommer hier in Norddeutschland.

00:00:33: Das ist unglaublich nass in meinem Empfinden oder meiner Wahrnehmung regnet das unglaublich

00:00:38: viel.

00:00:39: Es ist relativ kalt, man hat oft den Kamin noch angemacht.

00:00:43: Daran habe ich das so ein bisschen festgemacht, dass das für mich irgendwie dieses Jahr

00:00:48: noch nicht so ein richtiges Sommergefühl war.

00:00:50: Was ist denn noch so wichtig am Sommer?

00:00:52: Was gehört dazu, Freibadbesuche, vielleicht ein langer oder ein besonderer Urlaub, kurze

00:00:59: Kleidung, Krillen, bestimmte Sorten zu essen, bestimmte Sorten zu trinken.

00:01:04: All diese Dinge, die mir jetzt so spontan einfallen, die einen guten Sommer ausmachen

00:01:10: würden, sind ja irgendwie so Luxusdinger oder so Spaßfaktoren.

00:01:17: War das 1900 auch so oder gehörte da vielleicht noch ein bisschen mehr dazu?

00:01:21: Also, wenn man jetzt mal bei der Temperatur bleibt, dann war das auf jeden Fall ein riesen

00:01:26: wichtiges Ding, dass sich die Temperatur geändert hat.

00:01:29: Man hat im Winter unglaublich viel gefroren in Zeiten, wo es noch keine Zentraleitzung

00:01:33: gab, wo ja gerade das Untergeschoss, in dem das Gesinde gewohnt hat, deutlich weniger

00:01:39: beheizt, weil es das Obergeschoss, da war es sehr, sehr viel wert, wenn draußen plötzlich

00:01:44: die Temperaturen etwas angenehmer wurden und gar nicht, weil man sich in seinen Bikini geschwungen

00:01:49: hätte, denen es ja noch gar nicht gab.

00:01:51: Witzige Geschichte übrigens, der Bikini, ich weiß nicht, wer es vielleicht weiß, wurde

00:01:56: 1946 das erste Mal auf einer Modelfrohführung vorgeführt und es war natürlich ein riesen

00:02:04: Skandal, so wenig Stoff.

00:02:05: Das Wort Bikini hatte man gewählt für dieses Kleidungsstück, weil erst kurz zuvor auf

00:02:10: den Bikini-Atoll Atomwaffen-Tests durchgeführt worden sind und man, die einen Schlag, wie

00:02:18: sagt man, die durchschlagende Wirkung dieses Kleidungsstückes unterstreichen wollte mit

00:02:23: dem Namen Bikini.

00:02:25: Ja, also Bikini und Badekleidung hat es nicht gegeben, aber es hat generell nicht so

00:02:31: viel andere Kleidung gegeben.

00:02:32: Man hat jetzt ja nicht T-Shirts und Shorts aus dem Schrank geholt, all diese Dinge sind

00:02:35: ja sehr neu moderne Sachen, die erst so nach dem Zweiten Weltkrieg kamen, dass Frauen

00:02:40: auch sich, oder generell Männer und Frauen sich in den Jahreszeiten verschiedenen gekleidet

00:02:46: hätten.

00:02:47: Man hat vor allen Dingen die Wollteile weggelassen.

00:02:49: Ich hatte ja lange, lange Wollstrümpfe, die bis zu dem Popo gingen, unter dem Rock an.

00:02:54: Die hat man natürlich dann weggelassen.

00:02:56: Ich hatte aus so einer Art Fließstoffunterrücke, die wurden weggelassen, Wollcapes und jegliche

00:03:02: Wolljacken, die man drübergezogen hätte, hat man nicht gebraucht, also es war einfach

00:03:06: wesentlich weniger, was man anhatte und die ganze Arbeit hat so ein bisschen mehr, war

00:03:12: so ein bisschen freier, weil man eben nicht so viel gefroren hat.

00:03:15: Vieles ja auch draußen passiert, Wasser holen, Wasser wegbringen, Toiletten einmal leeren,

00:03:21: Tiere füttern, Wäsche aufhängen, generell war draußen einfach viel besser möglich.

00:03:27: Die Wäsche ist ja nicht nur zum Trocknen aufgehangen worden, sondern man hat ja auch in der Sonne

00:03:31: gebleicht, weil man ja gar nicht so die Waschmittel hatte wie heute, die das schon quasi automatisch

00:03:35: beim Waschen mitmachen.

00:03:36: All diese Dinge waren plötzlich wieder sehr unbeschwert möglich.

00:03:41: Man musste natürlich auch nicht die Zimmer der Herrschaften heizen, das heißt man hatte

00:03:47: deutlich weniger Arbeit morgens, weil 10, 12, 14 Öfen anzünden, das kostet natürlich

00:03:52: unglaublich viel Zeit, es kostet unglaublich viel Holz, was nicht bereitgestellt werden

00:03:56: muss.

00:03:57: Somit die Temperatur oder das Ansteigen der Temperaturen, ein Riesenvorteil in der Nähe

00:04:01: von Rostack, wo das Gutshaustand, in dem ich gewohnt habe, war Hitze jetzt auch nicht

00:04:05: so das Problem, da war man froh, wenn über den Sommer die Feuchte und Kälte aus dem

00:04:10: Untergeschoss überhaupt rausgegangen ist, das hat ja relativ lange gedauert, bis man

00:04:13: da auch die Außentemperatur innen dann hatte.

00:04:17: Ja, die Temperatur, zum einen, aber zum anderen bedeutete der Sommer natürlich auch, ich

00:04:21: habe es eben schon gesagt, das Wäschewaschen hat sich natürlich verändert viel mehr Arbeit,

00:04:25: zum einen konnte man eben Wäsche jetzt bleichen, man hat viel mehr Dinge gewaschen, die man

00:04:30: im Winter nicht waschen konnte, Gardinen, Teppiche, die Bettwäsche, alle Dinge, die nicht auf der

00:04:38: Wiese ausgebreitet werden konnten im Winter, das hat man jetzt im Frühjahr gemacht, dieser

00:04:41: klassische Frühjahrsputz kommt auf jeden Fall ganz viel noch daher, dass man im Winter überhaupt

00:04:46: nicht die Möglichkeiten hatte im Haus, das irgendwie zu bewerkstelligen und dann natürlich,

00:04:51: und das ist ein wahnsinniger, wichtiger Punkt gewesen, den der Sommer 1900 mit sich gebracht

00:04:57: hat, war das Auffüllen der Vorräte.

00:05:00: Ja, eigentlich total verrückt, haben wir das heute noch, ja, wir freuen uns irgendwie

00:05:04: auf die Erdbeer und Spargel-Saison, aber mal ganz ehrlich, wenn wir im Winter Erdbeer oder

00:05:08: Spargel essen wollen, wäre das ja auch irgendwie machbar.

00:05:11: Heute ist es irgendwie so das größte Problem, dass man samstens das Abends das eingekauft

00:05:15: hat, was man sonntags braucht und man manchmal irgendwie schon Angst kriegt, man hat nicht

00:05:19: genug für Sonntags.

00:05:20: Der Sommer 1900 und auch das Frühjahr bedeutete, man musste die Vorratskammern vollkriegen

00:05:24: für den gesamten Herbst und Winter.

00:05:27: Und die Vorratskammern vollkriegen war natürlich zum einen Feldfrüchte wie rote Bete und Kartoffeln,

00:05:32: und die Kartoffel hat unglaublich viel Veränderung gebracht in die Lebens- oder in die Ernährungs-

00:05:37: Sicherstellung der Bevölkerung in Deutschland und Europa.

00:05:40: Da musste man natürlich gucken, dass die Kartoffel auch erntbar waren, es gibt die

00:05:45: sogenannte Kartoffelfäule, die gibt es auch heute noch, die hat am schlimmsten um sich

00:05:49: geschlagen, so 1846, ich glaube 1846 wie 1849 vor allen Dingen in Ölern, das hat riesige

00:05:55: Hungersnüte ausgelöst, wenn der Sommer zu nass war, konnte die sich besonders gut verbreiten,

00:06:01: es war also sehr wichtig, dass das Wetter insofern gestimmt hat, dass eben die Ernten gut ausgefallen

00:06:08: sind.

00:06:09: Also Kartoffeln mussten wieder in die Vorratskammern, ich finde das auch heute noch eine sehr

00:06:15: schöne Sache, wenn es wieder Frühkartoffeln gibt, die Kartoffeln können ja so ab Mai

00:06:19: kommen die Frühkartoffelsorten, dann werden die geerntet bis in den Herbst, denn das ist

00:06:23: einfach tatsächlich auch heute noch ein Unterschied im Supermarkt, weil die Kartoffeln

00:06:27: aus dem letzten Herbst dann schon irgendwie schrumpeliger sind und nicht mehr ganz so

00:06:31: fest, trotz dass wir ja mittlerweile wahnsinnig optimierte Lagermethoden haben und so das

00:06:35: gleiche für Äpfel.

00:06:36: Äpfel, Böhn, das ganze Baumobst ist natürlich frisch in die Kammern gekommen war, aus den

00:06:41: Vorjahr dann auch nicht mehr ganz so schön, wenn überhaupt noch was über war, aber das

00:06:45: kam ja erst gegen Ende des Sommers, so August, September, am Anfang standen natürlich zum

00:06:51: Beispiel Erdbeeren oder dann später auch Heidelbeeren, Himbeeren und später dann noch

00:06:59: Stachelbeeren und Prombeeren, die man geerntet und eingekocht hat, einkochen, ein Riesending,

00:07:04: kam erst um 1900, habe ich schon mal erzählt mit der Erfindung des Weckglases, ist vorher

00:07:09: schwieriger gewesen, die Dinge richtig lange halbbar zu machen, man hat sie sehr stark

00:07:13: süßen müssen, weil die mehr Zucker desto länger haltbar mit dem Weckglas war das dann

00:07:18: nicht mehr ganz so nötig und man musste ja auch den Zucker, der Zucker kam in Deutschland

00:07:24: um die Zeit um 1900 schon aus der Zuckerrübe, das hat sich auch so in 1850er Jahren etabliert

00:07:30: und auch industrialisiert, man hatte schon eben 50 Jahre früher eine Zuckerrübensorte

00:07:37: gezüchtet, die etwas mehr Zucker gehalten hatte und damit war es dann möglich den Zucker

00:07:40: aus der Rübe zu extrahieren und das ganze war um 1900 auch schon so weit vorangeschritten,

00:07:47: dass man Zuckerinstitute und so weiter hatte, also Zucker wurde industriell produziert,

00:07:51: geerntet eben zwischen September und Januar und den hat man dann in der Regel zugekauft

00:07:57: und nicht selber produziert, selber produziert oder geerntet hat man gerne natürlich auch

00:08:01: noch Getreide, das brauchte man für die Mehlgewinnung, auch das Mehl musste den ganzen Herbst und

00:08:06: den ganzen Winter reichen um das Brotbacken zu gewährleisten.

00:08:10: Ein kurzer Müsli-Exkurs übrigens, weil wir hier schon von Getreide sprechen, das Getreide

00:08:15: hat man um 1900 in Norddeutschland noch nicht als Müsli verzehrt oder in äh äh äh ähnlichen

00:08:23: Form irgendwie aufbereitet, das Müsli ist tatsächlich um 1900 aber entstanden und zwar

00:08:28: in der Schweiz von dem Schweizer Arzt, das ist dann später bekannt geworden als Birchermüsli,

00:08:33: das hatte er sich abgeguckt von den Völkern, die in den Bergen leben, die schon Getreideflocken

00:08:39: mit Obst gemischt hatten, aber zunächst hatte er es in seinem Krankenhaus serviert, um

00:08:46: so eine Art Dietspreise als Schonkost für seine Patienten, genau und dann kam das Müsli

00:08:53: auch erst, ich wiederhole mich, nach dem Zweiten Weltkrieg, nach Deutschland und allmordentlich

00:09:00: auf den Frühstückstisch und wenn wir schon beim Müsli sind, dann ein kurzer Cornflakes-Exkurs,

00:09:08: die Cornflakes sind um die gleiche Zeit um 1900 in den USA entstanden, tatsächlich von

00:09:12: dem Herrn Kellogg und auch da war es so, dass es eine Krankenhausspeise war, die man den

00:09:18: Patienten serviert hat und in Deutschland sind die ersten Cornflakes dann aber erst 1965

00:09:25: industriell hergestellt worden, ja, das war also nicht auf dem Speiseplan, das hat man,

00:09:31: obwohl man es bestimmt hätte, sehr gut über den Winter aufbewahren können, noch nicht

00:09:36: eingemacht um die Zeit und wenn wir schon von Cornflakes und Müsli reden, dann fällt

00:09:40: mir natürlich auch noch die Nudel ein, auch die Nudel, die man ja sehr, sehr gut aufbewahren

00:09:45: kann und die heute sicher jeder, würde ich mal sagen, in seinem Vorradschrank besitzt,

00:09:50: so ein Päckchen Nudeln geht immer, gab es 1900 nicht, es gab die Nudel schon ewig, es

00:09:57: gibt ja den Streit, wer die erfunden hat, glaube es war nicht Schneesen, das ist schon

00:10:02: sehr, sehr, sehr lange vor 1900 gewesen, auch in Italien gab es diese Teigwaren schon

00:10:08: länger und es gab die theoretisch auch in Deutschland, sogar industriell hergestellt,

00:10:13: die erste Firma, die das in Deutschland gemacht hat, ist glaube ich so 870 oder vielleicht

00:10:18: 1890, bin mir gerade nicht sicher entstanden, auf jeden Fall war das Birkle, die es auch

00:10:22: heute noch gibt, die haben Nudeln produziert und die sind auch verkauft worden, die hatten

00:10:28: sich aber noch nicht durchgesetzt, das hat dann auch noch einige Jahre gedauert, im

00:10:33: Gutshaus gab es tatsächlich hin und wieder mal handgemachte Nudeln von dem Amselder,

00:10:36: das allerdings richtig aufwendig war, waren die der Gutsfamilie vorbehalten, wir haben

00:10:42: Also keine Nudeln bekommen, ja, hätte man sicher sehr gut...

00:10:45: lagern können, hatte sich aber noch nicht so durchgesetzt. Ähnliches gilt auch für den Reis.

00:10:50: Der Reis ist schon viele, viele Jahre vorher auch mit dem Schiff nach Europa gekommen und

00:10:56: theoretisch auch verfügbar gewesen, wenn man denn das Geld gehabt hat, ihn zuzukaufen. Aber es

00:11:03: war keine etablierte Speise, die sich in den Fuchratskammern vor allen Dingen in Norddeutschland

00:11:08: befunden hätte. Hat man sicher als hin und wieder als exotisches Gericht serviert, aber kein

00:11:17: dauerhaftes, bevorratetes Produkt. Obwohl das ja, man stellt sich das so vor, so ein Sack Reis, wenn

00:11:23: man den dann kauft, irgendwie vom Schiff, sicher praktisch ist. Aber nein, hat es nicht gegeben.

00:11:30: Spannend aber, dass man tatsächlich um die Zeit Reis in Deutschland angebaut hat auch und zwar in

00:11:36: den Region Bamberg, hat sich aber auch nicht durchgesetzt. Auch der Deutsche Reis war nicht in

00:11:41: der durchschnittlichen Speisekammer eines Gutshauses vertreten. Also alles, was man in irgendeiner Form

00:11:47: einkochen konnte, wurde eingekocht. Im Wutzauß war das übrigens noch Gurken, und zwar so Schlangengurken,

00:11:52: die waren sehr lecker, habe ich auch nie wieder gesehen. Später Sauerkraut, also Kohlsorten,

00:11:57: die man irgendwie in Töpfen fermentiert hat. Und wenn man das Obst nicht eingekocht hat,

00:12:03: dann hat man es getrocknet. So, das Gefühl, mit dem Frühjahr wieder frische Nahrungsmittel zu

00:12:08: kommen ist unbeschreiblich, wer man es nicht erlebt hat, glaube ich. Dadurch, dass wir heute in der

00:12:13: Lage sind, alles immer zu kaufen und auch nicht die Angst haben zu müssen, dass es nicht mehr da ist,

00:12:19: das ist was, was man schwer beschreiben kann, wenn eben die Furatskammern langsam sich dem Ende

00:12:27: zuneigen und man wirklich darauf angewiesen ist, dass Dinge wieder geerntet werden können. Im Kleinen

00:12:32: waren das natürlich auch zu Sachen wie Salate, Moorüben aus dem Garten, aber zum Beispiel Äpfel

00:12:38: oder Dinge, die im Spätsommer erst geerntet werden wurden, auf die hat man dann doch schon richtig

00:12:43: gewartet. Was wirklich frisch war, jeden Tag auch im Winter, es waren natürlich Milchprodukte und

00:12:48: auch das Fleisch. Wenn man das unter Frisch verzeichnen kann, die Milchprodukte im Sommer zu lagern,

00:12:53: war da nochmal eine andere Problematik. Denn das hatte ich ja auch schon mal erklärt,

00:12:57: dass es Kühlschränke in dem Sinne gab, dass man Eisklein gesägt hat und das in mehr oder weniger

00:13:04: isolierte Schränke gepackt hat. Das war im Sommer ein bisschen schwieriger. Da sind einem auch gerne

00:13:09: die Lebensmittel, denn dann mal Verdorben, die aus der Milch produziert wurden, dazu auch ganz

00:13:15: interessant und das habe ich tatsächlich in der Form auch nicht gewusst. Wie wenn wir uns heute im

00:13:20: Sommer einen lässigen Matcha-Latte oder Eiskoffi-Latte oder was auch immer, Zauber oder auch einfach ein

00:13:26: Cocktail mit bunten Säften und mit oder ohne Alkohol mischen und da Eiswürfel reinmachen, dann ist

00:13:33: das noch eine richtig neue Sache. Die erste Firma, die Eiswürfel für die Privathaushalte in

00:13:40: Deutschland produziert hat, hat erst 2003 eröffnet. Hättet ihr das gewusst, heute gibt es ja fast in

00:13:45: jedem Supermarkt so Eiswürfeltypen, Crushed Ice, Kugeln oder normale Eiswürfel. Das ist richtig,

00:13:52: richtig neu. Das kam erst in Deutschland nach 2003. Auch die Gastronomie und die Fast-Food-Caten etc.

00:14:00: haben erst in den 90er Jahren angefangen, tatsächlich Eiswürfelmaschinen zu besitzen und

00:14:06: das auch mit den getränkten Cocktails oder was auch immer zu servieren. Die Cocktailgeschichte ist

00:14:13: auch schon in den 1950er Jahren, die gab es auch schon ab 1850. Klar hat man verschiedene Spirituosen

00:14:20: gebraucht. Gebraut auch bei uns 1900, gerne natürlich Korn oder aus Kartoffeln, so eine Art

00:14:26: Wodka ist das ja dann gewesen. Aber das ist so eine Kneipen- und Barkultur gegeben hat, indem man

00:14:33: sich mit dem mischen verschiedener Säfte oder Spirituosen befasst hat, dass auch alles erst in

00:14:42: Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg etabliert. Der generell Konsum von Alkohol war ja um 1900

00:14:48: auch noch mal eine ganz andere Geschichte, wie das heute in größten Teilen gehandhabt wird, dass

00:14:53: es den typischen Sommertrink gibt. Das war damals nicht so klar, hat man auch mal Wein und Bier

00:14:58: konsumiert oder eben einen selbst gebrauten Schnaps. Das war aber von der Art der Getränke

00:15:06: nicht an die Jahreszeiten gekoppelt. Was es im Sommer aber gab und im Frühling und was es im

00:15:10: Winter auch gar nicht gab, waren gesellschaftliche Feste. Ich hatte ja mal in einer Folge, in der

00:15:15: es ums Heiratengegen erzählt, dass man sich gerne auch auf Kirmes oder Schützenfesten oder Festen

00:15:20: der Kirche kennengelernt hat. Die gab es tatsächlich auch nur im Sommer. Das heißt, dass man mehr rausgegangen

00:15:25: ist, dass man mehr unter den Leuten war, was es heute vielleicht doch auch eher im Sommer stattfindet.

00:15:31: Das hat 1900 definitiv nur im Sommer stattgefunden. Eben bin ich ja schon mal ganz kurz auf Badekleidung

00:15:37: eingegangen. Die Badekultur hat langsam, langsam begonnen sich zu entwickeln um 1900 tatsächlich,

00:15:44: so dass die Nordsee und die Ostsee so Bäder eröffnet haben, dass man an den Strand gegangen ist,

00:15:49: dass man verreist ist mit Bahn, Kutsche und dann auch langsam mit den Autos. Das kam da so gerade.

00:15:57: Ist ja alles ein Luxusding, dass man Ausflüge macht, dass man mal den ganzen Tag nicht arbeitet

00:16:06: und das hat sich da gerade entwickelt. Wer die Folge kennt, in der die Gutsfamilie schwimmen war,

00:16:10: der kennt auch ein bisschen die Badekleidung, die es doch dann 1900 schon gegeben hat. Natürlich

00:16:15: nicht in Form von Badeanzügen und Bikinis, sondern eher von so einer Art mehr oder weniger Ganzkörper

00:16:21: Stoffen. Aber eben genau Badeanstalten, Freibäder, kam dann ganz langsam, dass in den 70ern und 60ern

00:16:33: und 70ern gab es übrigens in Deutschland noch Freibäder, die offiziell das Tragen eines Bikinis

00:16:38: verboten haben, in denen das nicht gestattet war. Ja, auch Urlaube, die ganze Urlaubsbranche,

00:16:46: Tourismusbranche gab es vor 1900. Gar nicht, man hat Verwandten besucht mit dem Zug oder Familienmitglieder,

00:16:56: die woanders gewohnt haben, aber den klassischen Urlaub, der war den sehr, sehr wohlhabenden

00:17:02: Vorbehalten und es war ein sehr kleines Feld an Menschen, die da überhaupt sich das leisten

00:17:11: konnten. Ich habe mal ein ganz tolles Buch gelesen. Das ging um einen Jungen, der auf der, also eine

00:17:16: wahre Geschichte, über einen Jungen, der auf der Titanic war, der das überlebt hat und der mit

00:17:22: seinen Eltern viel gereist ist. So klassische Ziele damals waren zum Beispiel Malaga in Spanien

00:17:29: oder eben in den USA Inselziele, aber alles hat man früher mit dem Schiff gemacht

00:17:36: und das war eine sehr kleine Gesellschaftsschicht, die darüber überhaupt nachdenken konnte,

00:17:42: das überhaupt zu tun. Ja, der Sommer, der Sommer 1900. Was gehörte noch zum Sommer? Was hat es ausgemacht?

00:17:52: Ich denke, in Prum und Ganzen sind die Punkte schon jetzt alle mit dabei. Also es war auf jeden Fall

00:17:59: das Auffüllen der Speise, kann man endlich wieder frisches Essen. Es war die Erleichterung bei der

00:18:04: Arbeit, dass man nicht gefroren hat, dass viele Dinge einfach draußen möglich waren und es waren

00:18:10: die gesellschaftlichen Höhepunkte des Jahres, die nur im Sommer stattgefunden haben. Als Gesinde,

00:18:16: ich denke, in der Herrschaftsfamilie war das alles etwas abgemildeter, aber doch ähnlich. Im Vergleich

00:18:24: zu heute, würde ich sagen, ähnlich ist auf jeden Fall, dass die Sonne ein irgendwie fröhlicher

00:18:30: macht. Das ist ja auch medizinisch bewiesen, sozusagen, dass Dinge einem leichter fallen,

00:18:36: wenn es warm draußen ist. Was heute dazugekommen ist, was ganz neu ist, sind Urlaube, Cocktailbars,

00:18:44: Grillabende, Ausflüge, jegliche Art. Das ist die Badekultur, die es damals noch nicht in der Form

00:18:52: gegeben hat und es ist sicher generell der hohe Freizeit wert, weil wir einfach eine ganz andere

00:18:58: Form von Freizeit haben. Da fällt mir gerade wieder ein, dass wir ja heute über die 40-Stunden-Woche

00:19:05: stöhnen und damals ist locker eine hundert-Stunden-Woche gewesen ist, also ganz andere Möglichkeiten

00:19:11: einfach auch, die Zeit, die man hat, eben dann zu nutzen. Was ich unbedingt noch mal in die Gedanken

00:19:18: rufen möchte, ist aber auch, dass wir heute kaum bewusst sein, mehr dafür haben, was auf den

00:19:22: Feldern passiert. Es wäre sicher noch mal spannend zu fragen, was für ein Land wird heute auch,

00:19:27: der Sommer bedeutet, wie dieser Sommer für ein Land wird gewesen ist, wie viel Regen oder nicht

00:19:32: Regen hat es denn eigentlich gegeben, wobei das natürlich in Deutschland sehr verschieden ist.

00:19:36: Also wenn wir hier in Norddeutschland viel Regen hatten, dann sind die Leute in der Frankfurter

00:19:40: Region, die erzählen da sicher ganz was anderes, aber vielleicht ein bisschen mehr Bewusstsein zu

00:19:46: haben, was passiert gerade auf den Feldern. Jetzt passiert gerade sowieso extrem viel auf den Feldern.

00:19:51: Es gibt so ein paar Nächte im Sommer, wo der Morgentau und die Abendnässe sehr geringe ist oder

00:19:59: manchmal sogar gar nicht vorhanden ist, die man unbedingt nutzen muss für Erntesituationen. Also

00:20:05: wisst ihr was gerade draußen auf den Feldern geerntet wird? Ich habe selber für Jahre in der

00:20:10: Krambranche gearbeitet, weiß das aber auch nur sehr bedingt und ich könnte sowieso einem Feld

00:20:15: nicht ansehen, ob das jetzt für den Mais, für das Getreide, was auch immer auf dem Feld steht,

00:20:20: ein guter oder ein schlechter Sommer gewesen ist. Ich musste auch an mich selber appellieren,

00:20:25: dass einfach viel mehr Wert zu schätzen, wo die Nahrung überhaupt herkommt und was das für

00:20:30: ein wahnsinniger Aufwand ist, die zu produzieren, auch in Deutschland, auch heute noch ganz unabhängig,

00:20:36: ob wir 100 Jahre vorausgegangen sind oder nicht. Also in diesem Sinne schaut, wenn ihr unterwegs seid,

00:20:45: mal nach links und rechts, was da so los ist in der Landwirtschaft und vielleicht ändern wir uns

00:20:52: ab und zu mal daran, dass der Sommer vor allen Dingen für die Vorratsbeschaffung da war und die

00:20:58: Freizeit, Problematik sehr weit im Hintergrund stand. In diesem Sinne noch ein paar schöne,

00:21:04: warme Tage. Jetzt ist es hier gerade nämlich auch in Norddeutschland warm. Ganz liebe Grüße und bis zur

00:21:09: nächsten Folge.

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