Listen to the Old

Shownotes

Bald ist Weihnachten und die Familienfeste nahen - wieviel wisst Ihr wirklich von Euren Omas und Opas, von Euren Tanten und Onkels oder anderen Verwandten?

Ich möchte Euch ermutigen Fragen zu fragen, die ein bisschen abweichen von dern Norm - und die Euch für immer die schönsten Erinnerungen an diese Menschen bringen!

Manchmal ist es sogar zeitkritich, denn man weiß nie wer bis zum nächsten Fest die Runde vielleicht verlassen muss - also fragt heute! Die Erinnerungen sind zu kostbar um unausgesprochen zu gehen!

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00:00:01: Du interessierst dich für das Leben, von der ständige Gesellschaft bis hin zur Körperikine?

00:00:07: Leh'n dich zurück, ich erzähl davon.

00:00:15: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge Leben, eine Weihnachtsfolge.

00:00:21: Listen to the old.

00:00:22: Für alle, die diesen Podcast jetzt vielleicht mit einem Hochsommer abhören oder zu irgendeiner anderen Jahreszeit bleibt dran, die Folge geht immer inhaltlich.

00:00:29: Aber für alle, die die jetzt zeitnah abhören und es ist gerade Dezember und es kommt Weihnachten, Es ist ja das Fest der Liebe, weil in verschiedenen anderen Folgen ich ja auch schon die Konsumthematik aufgegriffen habe, möchte ich das heute so ein bisschen dem Weihnachtsthema widmen, weil es einfach was ist, was nichts mit Konsum zu tun hat, sondern ganz viel mit Liebe und auch mit Weihnachten.

00:00:54: Und deswegen hoffe ich, dass ihr das unterhaltsam und spannend genug findet, dran zu bleiben.

00:01:00: Ich freue mich.

00:01:01: An Weihnachten ist man ja viel auf Familienfesten unterwegs und man trifft auf die eine oder andere Verwandtschaft, auch Verwandtschaft, die vielleicht ein anderes Geburtstier hat als man selbst.

00:01:09: Tanten, Omas, Opas, Großtanten, Leute, die schon ein bisschen länger gelebt haben als man selbst.

00:01:16: Und wie oft unterhält man sich mit denen, was fragt man, die ist man wirklich interessiert.

00:01:20: Oder sitzt man einfach da und freut sich auf das nächste Tortenstück oder den nächsten Essensgang.

00:01:28: Und ich möchte euch ermutigen, mal Dinge zu fragen, die man sonst noch nicht gefragt hat.

00:01:34: Und da komme ich natürlich in erster Linie auf diesen Gesprächskreis zurück, von dem ich schon ganz oft erzählt habe, wie ist es eigentlich denn dazu gekommen?

00:01:41: Ich habe selber sehr viel Zeit mit meiner Oma verbracht und die auch... schon immer wieder die ein oder anderen Sachen gefragt.

00:01:49: Allerdings war es meine Oma, es ist immer einfacher, wenn das Landschaftsverhältnis nicht ganz so eng ist, dann traut man sich doch schon ein paar Fragen mehr zu stellen.

00:01:57: Und als meine Oma dann verstorben war, hat mir das total gefehlt, der Austausch mit einer Generation, die doch schon etwas älter ist als ich selbst, die ganz oft... Ganz fantastische Sachen erlebt, nein, die immer fantastische Erlebnisse haben.

00:02:11: Genau das ist nämlich der Punkt so, ich habe dann einen Erzählkreis ins Leben gerufen und ganz am Anfang, als das ganz neu war, da saß ich da allein, es ist einfach niemand gekommen.

00:02:21: und das hatte zwei Gründe.

00:02:22: Zum ersten war mein Name unbekannt, ich bin in dieser Gemeinde nicht groß geworden, man wusste nicht, wer ich sein soll und was das überhaupt alles soll.

00:02:30: und zum anderen haben die älteren Leute, die dann später auch gekommen sind und immer noch kommen gesagt, Ach, wir wussten nicht, wir haben noch gar nichts zu erzählen.

00:02:39: Und nein, das stimmt nicht.

00:02:43: Diese Menschen haben so bahn jeder Mensch, der fünfzig, sechzig, siebzig, achtzig Jahre gelebt hat, viel zu erzählen.

00:02:51: Das hat mich sehr berührt, dass sie das selber von sich geglaubt haben.

00:02:54: Denn... Und das war mir ganz wichtig bei dieser Generation.

00:02:58: Da geht es nicht darum, Fragen über den Krieg zu stellen.

00:03:01: Diese Generation wird zu oft auf den Krieg reduziert, wenn man etwas fragt, hat das meistens damit zu tun.

00:03:08: Aber das finde ich ist zu wenig, denn diese Leute haben viel mehr erlebt und das ein... Also alles andere, was sie erlebt haben, war ihr Lebensweg und nicht etwas, was politisch einfach gerade da war und was sie mitmachen mussten.

00:03:25: Also sie haben ja viel persönlichere Geschichten und viel schönere Erlebnisse.

00:03:29: Ich fände es ein bisschen schwer, die richtigen Worte zu finden.

00:03:32: Auch schönere Erlebnisse ist irgendwie falsch, also Erlebnisse im Generellen, die weit... ab davon sind und eben so viel mehr.

00:03:40: und auch die Leute, die dann kamen und die auch immer wieder gerne kommen, die haben auch gesagt, wir freuen uns so sehr, dass wir nicht über Krankheiten reden oder irgendwas Negatives, sondern dass es eben so viele andere Themen gibt, über die es so viel zu erzählen gibt.

00:03:54: Das läuft so ab, dass ich ein Tischdecke mit gesammeltem Porzellan, weil ich einfach so diesen Retro schick dann auch so mag und die Damen und Herren freuen sich auch immer total, weil die verbinden natürlich auch ganz viel mit Zusammeltasten.

00:04:11: Das hat sehr auch ihre ganze Kindheit und Jugend im Prinzip begleitet, weil das so Standardgeschenke damals waren, die man sich zum Beispiel zu Weihnachten geschenkt hat.

00:04:18: Und am Anfang, da habe ich immer noch einfach irgendwelche... Kekse oder Kuchen beim Bäcker gekauft oder im Supermarkt.

00:04:24: Mittlerweile habe ich das Gefühl, das sind irgendwie meine Freunde und Freundinnen geworden.

00:04:28: Und ich überleg mir immer, was könnte ich backen?

00:04:30: Was könnte ich den besonders schönes arrangieren?

00:04:33: Wobei ich manchmal denke, ob die sich vielleicht nicht lieber freuen würden.

00:04:36: Ich würde es doch kaufen, weil meine Backkünste sind nicht immer so ganz ausgereift.

00:04:41: Aber... Genau.

00:04:43: Und dann überlege ich mir im Vorhinein immer schon so ein paar Fragen, die ich so in den Raum werfe.

00:04:48: Und das können so ganz verschiedene Sachen sein.

00:04:49: Und das soll euch jetzt auch ermutigen.

00:04:51: Einfach mal vielleicht beim Weihnachtsfest oder generell, wann immer ihr auf ältere Menschen oder Verwandtschaft trefft, Dinge zu fragen, aus denen sich dann total schöne Gespräche entwickeln können.

00:05:02: Und das können so Sachen sein wie.

00:05:04: Hattet ihr ein Lieblingsspielzeug?

00:05:06: Was war in eurem Kleiderschrank?

00:05:08: Gab es eine spezielle Kleidung für Sonntag?

00:05:10: Was denn euer Lieblingsrezept gewesen?

00:05:13: Hast du den Beruf gelernt, den du erlernen wolltest?

00:05:16: Oder hast du einen Beruf gelernt, weil deine Eltern das wollten?

00:05:19: Oder weil das keinen anderen Beruf gab in deiner Nähe?

00:05:23: Du bist du verheiratet?

00:05:26: Wie hast du deine Hochzeit gefeiert?

00:05:27: Was gab es zu essen?

00:05:28: Wen habt ihr eingeladen?

00:05:30: Wo habt ihr gefeiert?

00:05:31: Was war dein erster Urlaub?

00:05:33: Gibt es ein Land, in das du schon immer mal reisen wolltest, in das du nie gereist bist?

00:05:37: Wart ihr schon mal campen?

00:05:39: Wie war das Campen in den Fünfziger oder Sechziger Jahren?

00:05:44: Wie hast du kommuniziert, als du deinen ersten Freund hattest?

00:05:49: Wie alt warst du bei deinem ersten Freund?

00:05:52: Wie habt man generell kommuniziert?

00:05:53: Hast du Briefe geschrieben?

00:05:55: Hast du mal was gesammelt in deinem Leben?

00:05:58: Weiß ich nicht.

00:05:58: Briefmarkentelefonkarten, was es auch in den Sechzigern, Siebzigern, Achtzigern so zu sammeln gab.

00:06:04: Da habe ich schon so lustige Antworten gehört.

00:06:07: Man kann auch so Sachen fragen.

00:06:08: Da muss man dann mal gucken, ob man da vielleicht vorher einen Klühwein verdrängt oder ein, zwei Glas Wein generell.

00:06:14: Man kann auch so Sachen fragen, wie wusstest du eigentlich, wie man schwanger wird?

00:06:19: Was hat man gemacht?

00:06:21: Was hat man für Hygieneartikel gehabt?

00:06:24: Was wusstest du über die Thematik?

00:06:27: Wo hast du deine Kinder geboren?

00:06:28: Sind die zu Hause oder im Krankenhaus geboren?

00:06:31: Wie ist das?

00:06:34: Der Mann, in den du immer schon verliebt warst, die du letztendlich geheiratet hast oder die Frau oder gab es eigentlich noch mal jemanden, aber der war so unreachable.

00:06:44: Also man kann auch solche Sachen fragen.

00:06:46: Ich habe das auch schon gefragt, ich habe da allerdings, das waren immer sehr amüsante Runden, die die Damen und Herren haben auch immer ein bisschen kichert, aber ich glaube sie haben das gerne erzählt.

00:06:57: Und wenn ihr bei jemand anderem zu Hause seid, was sich immer lohnt, auch zu fragen ist, hast du Fotoalben?

00:07:03: Es gibt so viele Leute, auch in dem Erzählcafé, die sagen, mich hat noch nie jemand nach meinem Fotoalben gefragt.

00:07:10: Und ich kann das dann immer gar nicht glauben.

00:07:13: Ich denke so, wie dich hat noch nie jemand nach deinem Fotoalben gefragt.

00:07:17: Das ist doch das Spannende, das kann ich mir euch vorstellen für so ein Weihnachtsnachmittag.

00:07:22: Manchmal gibt es auch noch ganz andere tolle Erinnerungen außerhalb von Fotoalben.

00:07:29: Jetzt so ein Zwischending aus Fotoalben und Tagebüchern, vielleicht ein altes Schulheft.

00:07:33: oder eine alte Aufzeichnung von Dingen, die man aufgezeichnet hat, weil man vielleicht beruflich irgendwas aufzeichnen muss oder so.

00:07:45: Also solche Dinge oder vielleicht die Briefe, die man geschrieben hat mit einem anderen Mann, Frau.

00:07:51: Ja, also da gibt es ganz viele tolle Schätze, die unter Umständen herausgeholt werden könnten und das... Das möchte ich euch unbedingt ans Herz legen.

00:08:01: Traut euch das zu fragen.

00:08:03: Wenn ihr hier bei mir heute in dieser Folge seid und in diesem Podcast, dann habt ihr ja vielleicht ein gewisses Grundinteresse an der Zeit, wie sie nicht heute war, nicht vor zehn Jahren, sondern vielleicht vor dreißig, vierzig, fünfzig, sechzig, hundert Jahren.

00:08:20: Und die Sache ist ja auch die, dass solche Fragen Nur jetzt, also wenn ihr sie nicht heute fragt, also in der nächsten möglichsten Möglichkeit, wann wollt ihr sie dann fragen?

00:08:31: Ich will jetzt nicht so ein bisschen.

00:08:32: dieses kann jeden Tag zu spät sein, Dinge aufrufen, aber am Ende ist es so.

00:08:36: Denn diese Erinnerungen, die sind nicht für immer abrufbar.

00:08:42: Die Menschen, also zum einen weil man vielleicht dement wird oder ähnliches und das gar nicht mehr so erzählen kann, vielleicht stirbt man aber auch und dann ist es ganz vorbei mit dem Fragen.

00:08:52: Und diese Zeiten, die kommen einfach nicht zurück.

00:08:55: Die sind so anders gewesen, wie das, was wir heute erleben.

00:08:59: Da sind so andere Dinge passiert, so viele andere Werte gewesen, so viele andere Werte im materiellen Sinne, aber auch im moralischen Sinne, dass es sehr, sehr wichtig ist, auch für die eigene Perspektive, sich das noch mal anzuhören.

00:09:16: Und all diese Leute haben ja ... Also die Nummer mit der Lebenserfahrung, die darf man wirklich nicht unterschätzen, stellt euch euer eigenes Leben vor.

00:09:24: Ich weiß nicht, wie alt ihr jetzt gerade seid, wo ihr mir zuhört.

00:09:27: Wenn ihr zwanzig seid, wenn ihr dreißig, vierzig, fünfzig seid, wie alt auch immer, jedes Jahr, was ihr gelebt habt, hat... Die Wertschätzung verdient, auch danach gefragt zu werden.

00:09:38: Man kann sich nicht in jedem Einzelnen an jedes Jahr so erinnern.

00:09:43: Jetzt nicht, dass die denken, ich weiß gar nicht mehr, was ich mit achtzehn gedacht habe.

00:09:46: Weiß ich auch nicht mehr.

00:09:47: Aber jedes Leben, finde ich, hat es verdient, auch danach gefragt zu werden.

00:09:52: Wie viele Dinge haben wir erlebt, wo wir stolz drauf sind?

00:09:56: Sei das der langen Ersparte Urlaub gewesen, in dem wir mal eine Safari gemacht haben oder... der Berufstraum oder den Hausbautraum, den man sich ermöglicht hat.

00:10:08: Also was auch immer, das kann ja sehr individuell sein, worauf man richtig stolz ist, was einen richtig Mühe gekostet hat, das so zu machen, wie man es letztendlich gemacht hat.

00:10:17: Vielleicht sind einem auch viele Steine in den Weg gelegt worden und jede dieser Geschichten ist es auf jeden Fall wert, auch nochmal erzählt zu werden.

00:10:26: Und deswegen... finde ich das so wichtig, dass auch Menschen, die vielleicht so um neunzehntvierzig geboren sind, wo wir alle gar nicht wissen, wir wissen ja nie, wie lange hat man noch, aber dass man sich das erzählen lässt, dass man es selbst dann vielleicht auch mal weiter erzählen kann und dass diese Geschichten nicht stumm einfach verloren gehen.

00:10:45: Was in diesem Zusammenhang auch eine sehr interessante Gedankengang ist, ist die Entwicklung des Perfektionismus.

00:10:52: Wenn man halt darüber nachdenkt, wie perfekt wir heute sein möchten und müssen und denken, dass es andere sind und wie das vielleicht vor hundert Jahren war, wie das vielleicht vor fünfzig Jahren war.

00:11:07: Das ist eine sehr, sehr spannende Frage, mit der man sich auf jeden Fall beschäftigen sollte und wo es sich auch lohnt, mit seinen verwandten und bekannten älteren Jahrgangsturber zu sprechen, um die eigene Lebens- Auffassung nochmal, vielleicht auch dahin zu überdenken, was macht uns eigentlich glücklich?

00:11:27: Wenn ich mit den älteren Herrschaften rede, dann finde ich eines immer sehr bemerkenswert, dass sie nicht unglücklich waren, sondern sehr glücklich darüber, und ich habe das schon mal in einer anderen Folge erwähnt, dass jemand gesagt hat, ja, es fiel uns natürlich auch viel leichter glücklich zu sein als euch heute, weil in unseren Zeiten ist jeden Tag immer alles besser geworden.

00:11:45: Und ihr lebt heute oder wir, also ihr, die mir heute zuhört auch, wir leben in einer Situation, Der ist nicht mehr, wenn überhaupt nicht mehr so schnell weiter bergauf geht oder stagniert oder vielleicht sogar in gewissen Teilen rückläufig ist bzw.

00:12:03: sich rückläufig anfühlt.

00:12:05: Und da ist diese Perfektionismus-Geschichte ein ganz wesentlicher Bestandteil.

00:12:08: Das fängt bei so Sachen an wie Wäsche waschen.

00:12:11: Früher... war Wäschewaschen, alle die leben in den Jahrhundert gesehen haben, kennen meine Verzweiflung wirklich eine sehr, sehr aufwendige Sache.

00:12:20: Und das Ergebnis, was man am Ende hatte von dieser gewaschenen Wäsche, war weit ab, von dem, wie wir heute ein Wäscheteil aus der Waschmaschine holen.

00:12:29: Das, was damals als gewaschen und sauber galt, würde heute als unfassbar schmutzig gelten und man würde es vielleicht entsorgen, weil man denkt, das würde man nie wieder hinkriegen.

00:12:41: Wir haben durch diese ganze maschinelle Entwicklung einen so perfekten Status der Wäsche erlangt.

00:12:49: dass natürlich uns alles darunter als unperfekt erscheint oder als unsauber.

00:12:55: Und das kann man jetzt in alle Bereiche weiterführen.

00:12:57: Wenn man jetzt an den Haushalt denkt, dann ist zum Beispiel auch der Zustand der Wohnung genau im selben Vergleich anzubringen.

00:13:06: Wenn man damals eine voll stundenlange Kleinarbeit mit einer Bürste die Teppiche abgebürstet und geklopft hat, dann war man am Ende zufrieden, auch wenn da wahrscheinlich noch... hängen.

00:13:19: Heute haben wir so viele verschiedene Möglichkeiten, unsere Wohnung in einen wirklich perfekten Zustand zu bringen, dass jeder Staubkrümel uns als Katastrophe erscheinen könnte.

00:13:29: Denn wir wissen, es würde sauberer gehen.

00:13:32: Und so ist es auch in so zwischenmenschlichen Sachen.

00:13:36: Fragt mal die älteren Generationen, wie sie gefeiert haben, wenn sie zu Hause eingeladen haben.

00:13:42: Das ist unglaublich.

00:13:44: Und da muss ich auch an mich appellieren.

00:13:47: Ich habe oft das Gefühl, die haben viel mehr vermocht, das Leben auch zu leben und die Tage so zu feiern, wie sie sind.

00:13:56: Zum Beispiel so eine Hochzeit oder eine Kommunion oder ein Geburtstag wurde in den kleinsten Hütten mit so vielen Gästen gefeiert.

00:14:03: Wir denken heute, oh nee, meine Wohnung ist nicht groß genug, in der ich keinen einladen kann.

00:14:07: Oh nee, übernachten kann hier aber auf gar keinen Fall einer.

00:14:09: Ich habe überhaupt kein Gästezimmer mit Ausfried Bart oder ich habe dies nicht oder ich habe jenes nicht.

00:14:14: Das hatten die auch nicht.

00:14:16: Und die haben trotzdem Zick-Übernachtungsgäste gehabt.

00:14:18: Die haben ewig lange Tafeln in ihren zwanzig Quadratmeter Wohnräumen aufgebaut.

00:14:23: Da wurden Stühle von den Nachbarn ausgeliehen.

00:14:25: Da hat man zusammengestückelt und es waren... Tolle Tage, es war eine super Erinnerung, es war immer gemütlich.

00:14:30: Das ermutigt mich ganz viel auch, Dinge einfach zu machen und nicht diesen Perfektionismus an mich selbst auch zu erwarten.

00:14:40: Der wird uns natürlich zum Beispiel auch in sozialen Medien vorgelebt.

00:14:44: Sei das zum einen durch Bildbearbeitung, sei es zum anderen, weil es wirklich perfekt versucht worden ist zu machen.

00:14:51: Weil wir natürlich auch ganz andere finanzielle Möglichkeiten haben, weil wir ganz andere Konsummöglichkeiten haben, weil wir für jede Party, für jede Thematik, fünfhundert, siebenundfuchzigtausend Artikel mit Same-Day-Delivery bestellen können, die perfekte Deko.

00:15:07: Wir können so viel konsumieren, weil uns das Angebot durch diese kosmopolite Welt vor der Tür steht sozusagen, ist aber nicht nötig.

00:15:19: Und man braucht das... Wenn man jetzt denkt, ich kann das gar nicht erlauben, jetzt irgendwie zu feiern oder jemanden einzuladen, also man braucht nicht diese Deko und man braucht nicht das perfekte Buffet, man kann auch einfach... Jemand jedem sagen, er soll bitte einen Salat mitbringen oder was auch immer.

00:15:37: Wir haben das damals.

00:15:38: in den neunzigern gab es so Bottle-Partys.

00:15:40: Ich weiß gar nicht, ob es das heute noch gibt, weil ich aus der Party-Szene so ein bisschen raus bin, wo einfach jeder eine Flasche mitgebracht hat.

00:15:46: Und es geht ja mit jeder Party so.

00:15:51: Das ist, das ist immer leichter gesagt als auch wirklich umgesetzt, aber es ist so wichtig sich daran zu erinnern, dass das möglich ist und dass das am Ende die besten Erinnerungen sind, die wir vielleicht auch selber später gern erzählen.

00:16:05: Das ist so ein bisschen, wer kennt dieses Poetis?

00:16:08: Poetry, Slam, Gedicht von Julia Engelmann.

00:16:10: Darauf zählt das so ein bisschen hinaus, dass wir nicht da sitzen und warten und alles immer nur verschieben, sondern dass wir das auch machen.

00:16:19: Auch wenn uns das manchmal über Windung kostet.

00:16:21: Es ist natürlich einfach durch die perfekte Instagram-Welt zu setten, während man abends im Bett liegt, aber an seinem eigenen Leben nichts zu ändern.

00:16:28: Ja, sich nur zu bedauern, dass man jetzt gar nicht diese tolle Hausternierung gemacht hat, die man da vielleicht sieht oder die beste und teuerste, neueste Weihnachtsgeschirr, whatever.

00:16:41: Ihr wisst, was ich meine.

00:16:42: Und ja, es ist auch einfach für mich vor einem Mikrofon zu sitzen.

00:16:46: Was ich übrigens, ich sitze übrigens in den Osten, ich möchte es nochmal erwähnen, das ist ein Garant dafür, dass ich übrigens Folgen aufzeichne, dass ich das Zeug einfach mitschleppe in meinem Koffer.

00:16:55: Das nimmt so viel Platz weg, dass ich dafür immer auf Klamotten verzichte und dass ich dann der Knie, ich habe das jetzt nicht mitgeschleppt, ohne eine Folge aufzuzeichnen und dann mache ich auch immer eine Folge.

00:17:03: Also... Das zum Thema meine eigene Contennors oder meinen eigenen Innen- und Schweinehorns überwinden.

00:17:11: Ja.

00:17:12: So, jetzt bin ich kurz vom Gedanken abgeschreift.

00:17:14: Ich wollte eigentlich erzählen, dass auch das natürlich sehr einfach ist, vor diesen Mikro zu sitzen und zu sagen, Sprech doch an Weihnachten mal mit den Leuten.

00:17:20: Frag die doch mal was.

00:17:21: Ich weiß, dass man da auch oft müde ist, dass man da sitzt und dass es so ein bisschen letharisch ist und es geht halt einfach alles so an einem vorüber und dass man sich da auch für aufraffen muss.

00:17:30: Aber es lohnt sich so.

00:17:32: Das ist mein triggender Appell und auch so ein bisschen dieses Herzensthema dieser Folge.

00:17:38: Das ist eben... so viele unausgesprochene Geschichten gibt, die viel zu schön sind, als dass sie unausgesprochen bleiben sollten.

00:17:46: Ich habe viele so Kleinigkeiten, auch zum Beispiel bei meinem letzten Erzählcafé, da sagte eine, ich weiß gar nicht, aus welchem Zusammenhang wir hatten irgendwie einen ganz anderen, ich hatte nach dem Sammeln gefragt, so, das war das eigentliche Thema und von Hölzchen auf Stöckchen kommt man ja dann.

00:18:00: und dann sagte sie, ach und es gibt auch so eine tolle Geschichte mit meinem Kommunionskleid, es war damals so, das reiche, kinderlose Familien in der Stadt, konnten Kommunionkleiderschiften.

00:18:11: Und bei mir, da war das so ein reiches Pärchen, die hatten, ich glaub, ein Kohlegeschäft, ein Kohleladen und die hatten keine Kinder und die haben sich dann bereit erklärt, mein Kommunionskleid zu bezahlen.

00:18:22: Dann sag ich so, wie ist das abgelaufen?

00:18:24: Und dann, ja, also an einem Tag haben die mich um meine Mutter abgeholt, wir sind dann in die Stadt gefahren, die haben mir ein ganz tolles Kleid gekauft und das war wirklich schön und auch so ein Techchen und ein Haargrenzchen und da weiß ich noch, und als da meine Kommunionsfeier war, Und jetzt zum Thema Feiern.

00:18:38: Hundert Leute auf zwanzig Quadratmetern so ungefähr.

00:18:41: Da hat meine Mutter mich noch geschickt, ich sollte den Kuchenstück bringen.

00:18:44: Dann habe ich gesagt, die waren dann nicht mal da eingeladen.

00:18:47: Also man hatte, nee, sagte die, man hatte nichts mit denen zu tun.

00:18:50: Die waren auch nicht auf der Feier.

00:18:52: Die haben das Kommunionsgleit gestiftet.

00:18:55: Ja, also solche Geschichten, die ich irgendwie total spannend und besonders finde, das sind so oft so Kleinigkeiten, die eine Dame erzählt.

00:19:03: Ich habe Schnapsflaschen gesammelt, aber ich habe nie eine davon getrunken.

00:19:07: Und dann sagt die ihre beste Freundin, die neben ihr sagt, wie du auch Schnapsflaschen gesammelt hast, das wusste ich gar nicht.

00:19:11: Also so viele Kleinigkeiten, die dann sonst, die einfach so für den Moment ganz schön sind, die jetzt nicht, jetzt denkt ihr ja, was habe ich von der Info?

00:19:21: Nee, es sind so Herzensinfo's, die braucht man nicht, um weiterzuleben.

00:19:26: Aber man braucht viel davon nicht.

00:19:27: Aber es ist trotzdem schön, dass man als einfach auch später als Erinnerung an diese Person hat und weiß, das hat sie mir mal erzählt, oder?

00:19:37: Ja.

00:19:38: Genau, es gibt so einen Instagram-Kanal, den ich folge, wo manchmal Liebesbriefe der Urkurseltern veröffentlicht oder Ururkurseltern sogar, die sie veröffentlicht, die sie sich zusammengeschrieben haben und allein auch diese Sprache, die man früher benutzt hat, es sind so wahnsinnige Unterschiede aus diesen Zeiten und deswegen so schön sich daran zu erinnern.

00:19:59: Und ich habe ja beim letzten Mal mit Frauke gesprochen, die aus einer sehr erfolgreichen Familie kommt, vermeintlich, also was jetzt den finanziellen Erfolg angeht und wo ganz tolle Erinnerungen auch mit tollen Gebäuden und so verbunden sind.

00:20:12: Aber selbst die kleinsten Familien, selbst die einfachsten Geschichten sind absolut erzählenswert und haben ganz viele tolle Facetten.

00:20:21: Und meine Oma zum Beispiel, die aus sehr einfachen Verhältnissen kam, wo es kaum Fotografien gibt, weil man einfach niemanden hatte, der einen fotografiert hat.

00:20:28: wo man also auf das Medium jetzt nicht so zurückgreifen kann.

00:20:32: Da sind ganz andere tolle Geschichten gewesen.

00:20:36: Und ganz oft führt das natürlich auch zu Erinnerungen, die vielleicht in den Kriegsjahren entstanden sind.

00:20:41: Meine Oma.

00:20:42: Hat immer gern erzählt, wie sie dem Stanislaus im Bombenschutzkeller die Socken gepflegt hat, obwohl das ein Russe war.

00:20:52: Das war ja damals der Feind.

00:20:55: Ich hoffe, ihr versteht den Zusammenhang.

00:21:00: Also solche Kleinigkeiten oder dass sie mal ganz füchterlich in einen Soldaten verliebt war oder sowas.

00:21:06: Also es sind einfach ganz tolle Geschichten, die nochmal eine ganz andere Verbindung mit den jeweiligen Menschen dann auch erzeugen.

00:21:12: Und wenn man, wenn man dann gegangen ist oder wenn man sich vielleicht nicht mehr etwas erzählen kann, dann hat man doch diese Geschichten, die einem dann immer wieder ein Lächeln ins Gesicht bringen, weil man eben doch ein etwas weiß, was man vielleicht niemals gewusst hätte, hätte man nicht gefragt.

00:21:32: Ja, in diesem Sinne wünsche ich euch eine tolle Zeit und fragt einfach mal, fragen die Abweichen von, wie war dein Jahr, wie geht's dir, was macht der Job?

00:21:48: Sondern einfach mal so ein bisschen abweichend von dem, was ihr eigentlich so... So fragen, würdet und selber gefragt werdet.

00:21:58: Die allerbesten Grüße.

00:22:00: Bis bald.

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